Forschung und Entwicklung

Im Berichtsjahr führte die PH Zürich Forschungs­projekte durch, welche die Schulen im Umgang mit den grossen gesell­schaftlichen Heraus­forderungen unterstützen. So ana­lysierte sie beispiels­weise im DEEP-Konsortium zusammen mit sechs weiteren Hoch­schulen die Aus­wirkungen digitaler Lern­umgebungen in Primar­schulen, um damit eine gerechte und nachhaltige digitale Trans­formation zu fördern. Zudem gründete die PH Zürich 2024 drei neue Forschungs­gruppen: Empirische Hoch­schul­didaktik, Berufliche Bildung und Didaktiken Künste. Damit stärkt sie wichtige Felder der Lehr­personen­bildung. Und die neue Veran­staltungsreihe «Forschung im Dialog» fördert den Austausch mit der Öffent­lichkeit und unter­streicht das Engagement der PH Zürich für Trans­parenz und gemeinsame Verständigung.

Kennzahlen

175

Forschungs­publi­kationen

Highlights

Towards a Voice-based Chatbot for Language Learners (ChaLL)

In dem von der Schweize­rischen Agentur für Innovations­förderung Innosuisse geförderten Kooperations­projekt «Towards a Voice-based Chatbot for Language Learners» (ChaLL) unter Beteiligung der ZHAW, der PH Zürich und der UZH wurde im Berichts­jahr ein Chatbot entwickelt, der Primar­schülerinnen und -schüler dabei unterstützt, ihre mündlichen Englisch­kenntnisse zu verbessern. Über 18 Monate hinweg entstand ein Prototyp, der unlimitierte dialogische Sprech­möglichkeiten schafft. Der Chatbot ergänzt den traditionellen Unterricht. Er ermöglicht flexibles Üben in der Schule und zu Hause. Die Anwendung simuliert natürliche Dialoge und soll mittel­fristig in der Lage sein, sich individuell dem Sprach­niveau der Schülerinnen und Schüler anzupassen, Fehler­typen korrekt zu erkennen und gezielte Lern­unter­stützung zu bieten. Der Chatbot kann zudem mit verschiedenen Stimmen und Akzenten arbeiten, was das Hörver­ständnis verbessert und sprachliche Vielfalt erlebbar macht. Es gibt bisher zwei Kommunikations­modi: «Chit Chat» für freie Konversation und «Challenges» für gezielten kommunikativen Grammatik- und Vokabel­gebrauch. Das Projekt hat gezeigt, wie Technologien Lern­prozesse bereichern können. Der Chatbot bereitet Primar­schülerinnen und -schüler individuell auf eine global vernetzte Welt vor, in der Englisch zentral ist. Er intensiviert die Sprach­praxis und bietet wertvolle Unterstützung über das traditionelle Lernen hinaus. Zukünftige Schritte umfassen die Weiter­entwicklung des Prototyps zu einem intelligenten, spielerisch lernfördernden Chatbot sowie die Integration von adaptivem Feedback. Auch die Einbindung weiterer Sprachen ist ein möglicher nächster Schritt.

Projektleitung: Luzia Sauer (PHZH), Michael Geiss (PHZH)

Trajektorien in den Lehrberuf (TriLAN)

Das vom Schweizerischen National­fonds (SNF) geförderte Forschungs­projekt «Trajektorien in den Lehrberuf» (TriLAN) untersuchte, wie Studierende an drei verschiedenen Institutionen der Lehrpersonen­bildung zu ausgebildeten Lehr­personen werden. Ziel war es, die Prozesse auf dem Weg zur Lehrperson besser zu verstehen. Dazu wurden 19 Studierende über drei Jahre hinweg begleitet, sowohl in Lehrveran­staltungen, Mentoraten und Prüfungen als auch in ihren Praktika. Der ethnografische Forschungs­zugang ermöglichte zu beobachten, wie Studierende an den verschiedenen Orten erkennen, worauf es für eine erfolgreiche Tätigkeit als Lehrperson ankommt und was von ihnen erwartet wird. Neben den Beobachtungen wurden auch Audio­aufnahmen gemacht, die den detaillierten Nach­vollzug ermöglichten, wie beispiels­weise die Bedeutung der Planung von Unterricht immer wieder betont wurde. Die Daten zeigen, wie Studierende lernen, eine eigene Position als Lehrperson zu finden, und welche Bedeutung dabei den normativen Ordnungen zukommt, in denen diese Adressierungen stattfinden. Entgegen der oft geäusserten Meinung, das Studium an Pädagogischen Hoch­schulen sei theorie­lastig und praxisfern, zeigt das Projekt TriLAN, dass die untersuchten Studien­gänge von Beginn an grossen Wert auf die spätere berufliche Praxis legen und in hohem Masse ausbildungs­orientiert ausgestaltet sind. Diese Erkenntnisse tragen dazu bei, das Verständnis für die Ausbildung von Lehr­personen zu vertiefen.

Projektleitung: Tobias Leonhard (PHZH)

Planung, Unterricht und Reflexion in den Naturwissenschaften (PURPUR)

Das Forschungs­projekt «Planung, Unterricht und Reflexion in den Natur­wissen­schaften» (PURPUR), gefördert vom Schweize­rischen National­fonds (SNF), untersucht die Bedeutung der Vorbereitung und Nach­bereitung im Lehrberuf im Rahmen des Lehrzyklus Planen-Unter­richten-Reflektieren (PUR). Ziel ist es, die fach­didaktische Qualität der Planung, des Unterrichts und der Reflexion zu analysieren und deren Zusammen­hang mit der professionellen Kompetenz der Studierenden zu erforschen. Im Fokus steht die Frage, inwiefern die Wieder­holung des Lehrzyklus (PURPUR) einen Lerneffekt hat und ob die angehenden Lehr­personen ihre Kompetenzen auf verschiedene Fach­kontexte übertragen können. Angehende Sekundar­lehrpersonen der PH Zürich und der PH Luzern wurden begleitet, während sie zwei Doppel­lektionen zu experimen­tellem Handeln in unterschiedlichen Fach­kontexten unter­richteten. Vor und nach den Unterrichts­einheiten wurden Interviews geführt und der Unterricht videografiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wieder­holung des Lehrzyklus einen positiven Lerneffekt auf die fach­didaktische Qualität und die professionelle Kompetenz der Studierenden hat. Zudem wurde deutlich, dass die Studierenden in der Lage sind, ihre Handlungs­kompetenzen auf verschiedene Fach­kontexte zu übertragen. Die gewonnenen Erkenntnisse liefern wertvolle Rückschlüsse für die Weiter­entwicklung der Lehr­personen­ausbildung. So unter­streichen sie die Bedeutung eines strukturierten Lehr­zyklus sowie die Not­wendigkeit, Lehrpersonen in der Fähigkeit zu schulen, ihre Kompetenzen flexibel in unterschiedlichen Kontexten anzuwenden. Die Ergebnisse tragen dazu bei, die Qualität der Lehr­personen­ausbildung zu verbessern und die professionelle Entwicklung der Lehr­personen zu fördern.

Projektleitung: Christoph Gut-Glanzmann (PHZH), Markus Wilhelm (PHLU), Corinne Wyss (PH FHNW)

Immersives Lernen durch 360-Grad-Videos in der berufs­praktischen Aus­bildung von Lehr­personen

360-Grad-Videos ermöglichen eine freie Wahl der Perspektive. Durch die Betrachtung über eine Virtual-Reality-Brille können Betrachtende Teil des Geschehens werden und den Unterricht immersiv, das heisst in einer virtuellen Realität, erleben. Das Projekt entwickelt solche Anwendungs­prototypen, die neue Möglich­keiten für Lehre und Forschung eröffnen.

Projektleitung: Martin Berger (PHZH)

Nachhaltige Schule gestalten: Kompetenzen für Schulleitungen

Das Forschungs­projekt untersucht, welche Kompetenzen Schul­leitungen bei der Umsetzung von Bildung für Nachhaltige Entwicklung an Schulen benötigen. Das Projekt bietet einen umfassenden Überblick über bestehende Forschungs­arbeiten zum Thema und dient als Fundament für die evidenz­basierte Weiter­entwicklung der Schul­leitungs­ausbildung.

Projektleitung: Irene Lampert-Howald (PHZH)

«KI und Co. können Bildungs­ungleich­heiten abbauen helfen, diese aber auch ver­schärfen. Eine Bildungs­forschung mit engen Bezügen zum Berufs­feld kann entscheidend dazu beitragen, einen gerechten digitalen Wandel von Schule und Unterricht zu gestalten.»

Kenneth Horvath

Abteilungsleiter Bildungswissenschaftliche Forschung der PH Zürich

Projekte

Auswahl

Wissenschaftskulturen an der Schnittstelle

Das Projekt untersucht Kontinuität und Wandel sozialer Bildungs­diskurse im Kanton Zürich. Ziel ist es aufzu­zeigen, wie verschiedene methodische Zugänge, die grosse Text­mengen in den Blick nehmen, bildungs­historische Befunde prägen.

Unterrichtsqualität

Das Projekt entwickelt ein Modell der Unter­richts­qualität mit fächer­über­greifenden Basis­dimen­sionen, das an verschiedene Fach­bereiche angepasst werden kann. Es beschreibt spezi­fische Lehr- und Lern­prozesse für einzelne Fächer und leitet daraus Voraus­setzungen für qualitativ hoch­wertigen Fach­unterricht ab.

Partizipative Schulentwicklung

Im Projekt «Partizipative Schul­entwicklung» werden gemeinsam mit Lehr­personen und Schüle­rinnen und Schülern von vier Sekundar­schulen innovative Instrumente ent­wickelt, die den Lernenden mehr Mit­sprache bei ihrem Lern­prozess ermöglichen. Ziel ist es, die Partizi­pation zu fördern und die entwickelten Konzepte auch an anderen Schulen umzusetzen.

Alle Forschungs- und Entwicklungsprojekte

PDF herunterladen

Events

Auswahl

22.
August
2024

22. bis 23. August 2024

Bilanz­tagung 20 Jahre Lehr­personen­bildung

Die Tagung blickte auf zwanzig Jahre hoch­schulische Lehr­personen­bildung zurück und diskutierte die Zukunft der Päda­gogischen Hoch­schulen.

23.
November
2024

Lernen 4 bis 9

Im Zentrum der Tagung stand das Lernen von 4 bis 9-Jährigen, ihre Lern- und Ent­deckungs­freude, ihr Lern­poten­zial sowie die Räume und Orte, die ihr Lernen anregen und unter­stützen. 

27.
November
2024

Inklusive Schule – wie weiter?

Mit der neu ins Leben gerufenen Reihe «Forschung im Dialog» macht die PH Zürich ihre Expertise zu aktuellen und relevanten Bildungs­themen einer breiten Öffent­lich­keit zugänglich.

Ausblick

ComeThinkAgain

Das von Movetia unterstützte Erasmus+-Projekt verbindet digitale Kompe­tenzen mit Nach­haltig­keit und Inno­vations­strategien. Dazu werden verschiedene Module entwickelt und getestet.

MOSAIK

Die Studie untersucht das Zusammen­spiel motorischer und sozial-emotionaler Ent­wicklung bei Kindern und deren Einfluss auf das Wohl­befinden. Die Ergeb­nisse sollen das Verständ­nis der kind­lichen Ent­wicklung fördern.

The European Conference on Critical Edtech Studies (ECCES)

Die erste European Conference on Critical Edtech Studies (ECCES) findet im Juni 2025 an der PH Zürich statt. Diskutiert werden dabei Stand und Zukunft kritischer Edtech-Studien.

Publikationen

Alle Forschungs­publikationen

PDF herunterladen