Im Berichtsjahr führte die PH Zürich Forschungsprojekte durch, welche die Schulen im Umgang mit den grossen gesellschaftlichen Herausforderungen unterstützen. So analysierte sie beispielsweise im DEEP-Konsortium zusammen mit sechs weiteren Hochschulen die Auswirkungen digitaler Lernumgebungen in Primarschulen, um damit eine gerechte und nachhaltige digitale Transformation zu fördern. Zudem gründete die PH Zürich 2024 drei neue Forschungsgruppen: Empirische Hochschuldidaktik, Berufliche Bildung und Didaktiken Künste. Damit stärkt sie wichtige Felder der Lehrpersonenbildung. Und die neue Veranstaltungsreihe «Forschung im Dialog» fördert den Austausch mit der Öffentlichkeit und unterstreicht das Engagement der PH Zürich für Transparenz und gemeinsame Verständigung.
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Forschungspublikationen
In dem von der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse geförderten Kooperationsprojekt «Towards a Voice-based Chatbot for Language Learners» (ChaLL) unter Beteiligung der ZHAW, der PH Zürich und der UZH wurde im Berichtsjahr ein Chatbot entwickelt, der Primarschülerinnen und -schüler dabei unterstützt, ihre mündlichen Englischkenntnisse zu verbessern. Über 18 Monate hinweg entstand ein Prototyp, der unlimitierte dialogische Sprechmöglichkeiten schafft. Der Chatbot ergänzt den traditionellen Unterricht. Er ermöglicht flexibles Üben in der Schule und zu Hause. Die Anwendung simuliert natürliche Dialoge und soll mittelfristig in der Lage sein, sich individuell dem Sprachniveau der Schülerinnen und Schüler anzupassen, Fehlertypen korrekt zu erkennen und gezielte Lernunterstützung zu bieten. Der Chatbot kann zudem mit verschiedenen Stimmen und Akzenten arbeiten, was das Hörverständnis verbessert und sprachliche Vielfalt erlebbar macht. Es gibt bisher zwei Kommunikationsmodi: «Chit Chat» für freie Konversation und «Challenges» für gezielten kommunikativen Grammatik- und Vokabelgebrauch. Das Projekt hat gezeigt, wie Technologien Lernprozesse bereichern können. Der Chatbot bereitet Primarschülerinnen und -schüler individuell auf eine global vernetzte Welt vor, in der Englisch zentral ist. Er intensiviert die Sprachpraxis und bietet wertvolle Unterstützung über das traditionelle Lernen hinaus. Zukünftige Schritte umfassen die Weiterentwicklung des Prototyps zu einem intelligenten, spielerisch lernfördernden Chatbot sowie die Integration von adaptivem Feedback. Auch die Einbindung weiterer Sprachen ist ein möglicher nächster Schritt.
Projektleitung: Luzia Sauer (PHZH), Michael Geiss (PHZH)
Das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderte Forschungsprojekt «Trajektorien in den Lehrberuf» (TriLAN) untersuchte, wie Studierende an drei verschiedenen Institutionen der Lehrpersonenbildung zu ausgebildeten Lehrpersonen werden. Ziel war es, die Prozesse auf dem Weg zur Lehrperson besser zu verstehen. Dazu wurden 19 Studierende über drei Jahre hinweg begleitet, sowohl in Lehrveranstaltungen, Mentoraten und Prüfungen als auch in ihren Praktika. Der ethnografische Forschungszugang ermöglichte zu beobachten, wie Studierende an den verschiedenen Orten erkennen, worauf es für eine erfolgreiche Tätigkeit als Lehrperson ankommt und was von ihnen erwartet wird. Neben den Beobachtungen wurden auch Audioaufnahmen gemacht, die den detaillierten Nachvollzug ermöglichten, wie beispielsweise die Bedeutung der Planung von Unterricht immer wieder betont wurde. Die Daten zeigen, wie Studierende lernen, eine eigene Position als Lehrperson zu finden, und welche Bedeutung dabei den normativen Ordnungen zukommt, in denen diese Adressierungen stattfinden. Entgegen der oft geäusserten Meinung, das Studium an Pädagogischen Hochschulen sei theorielastig und praxisfern, zeigt das Projekt TriLAN, dass die untersuchten Studiengänge von Beginn an grossen Wert auf die spätere berufliche Praxis legen und in hohem Masse ausbildungsorientiert ausgestaltet sind. Diese Erkenntnisse tragen dazu bei, das Verständnis für die Ausbildung von Lehrpersonen zu vertiefen.
Projektleitung: Tobias Leonhard (PHZH)
Das Forschungsprojekt «Planung, Unterricht und Reflexion in den Naturwissenschaften» (PURPUR), gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF), untersucht die Bedeutung der Vorbereitung und Nachbereitung im Lehrberuf im Rahmen des Lehrzyklus Planen-Unterrichten-Reflektieren (PUR). Ziel ist es, die fachdidaktische Qualität der Planung, des Unterrichts und der Reflexion zu analysieren und deren Zusammenhang mit der professionellen Kompetenz der Studierenden zu erforschen. Im Fokus steht die Frage, inwiefern die Wiederholung des Lehrzyklus (PURPUR) einen Lerneffekt hat und ob die angehenden Lehrpersonen ihre Kompetenzen auf verschiedene Fachkontexte übertragen können. Angehende Sekundarlehrpersonen der PH Zürich und der PH Luzern wurden begleitet, während sie zwei Doppellektionen zu experimentellem Handeln in unterschiedlichen Fachkontexten unterrichteten. Vor und nach den Unterrichtseinheiten wurden Interviews geführt und der Unterricht videografiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wiederholung des Lehrzyklus einen positiven Lerneffekt auf die fachdidaktische Qualität und die professionelle Kompetenz der Studierenden hat. Zudem wurde deutlich, dass die Studierenden in der Lage sind, ihre Handlungskompetenzen auf verschiedene Fachkontexte zu übertragen. Die gewonnenen Erkenntnisse liefern wertvolle Rückschlüsse für die Weiterentwicklung der Lehrpersonenausbildung. So unterstreichen sie die Bedeutung eines strukturierten Lehrzyklus sowie die Notwendigkeit, Lehrpersonen in der Fähigkeit zu schulen, ihre Kompetenzen flexibel in unterschiedlichen Kontexten anzuwenden. Die Ergebnisse tragen dazu bei, die Qualität der Lehrpersonenausbildung zu verbessern und die professionelle Entwicklung der Lehrpersonen zu fördern.
Projektleitung: Christoph Gut-Glanzmann (PHZH), Markus Wilhelm (PHLU), Corinne Wyss (PH FHNW)
360-Grad-Videos ermöglichen eine freie Wahl der Perspektive. Durch die Betrachtung über eine Virtual-Reality-Brille können Betrachtende Teil des Geschehens werden und den Unterricht immersiv, das heisst in einer virtuellen Realität, erleben. Das Projekt entwickelt solche Anwendungsprototypen, die neue Möglichkeiten für Lehre und Forschung eröffnen.
Projektleitung: Martin Berger (PHZH)
Das Forschungsprojekt untersucht, welche Kompetenzen Schulleitungen bei der Umsetzung von Bildung für Nachhaltige Entwicklung an Schulen benötigen. Das Projekt bietet einen umfassenden Überblick über bestehende Forschungsarbeiten zum Thema und dient als Fundament für die evidenzbasierte Weiterentwicklung der Schulleitungsausbildung.
Projektleitung: Irene Lampert-Howald (PHZH)
«KI und Co. können Bildungsungleichheiten abbauen helfen, diese aber auch verschärfen. Eine Bildungsforschung mit engen Bezügen zum Berufsfeld kann entscheidend dazu beitragen, einen gerechten digitalen Wandel von Schule und Unterricht zu gestalten.»
Auswahl
Das Projekt untersucht Kontinuität und Wandel sozialer Bildungsdiskurse im Kanton Zürich. Ziel ist es aufzuzeigen, wie verschiedene methodische Zugänge, die grosse Textmengen in den Blick nehmen, bildungshistorische Befunde prägen.
Das Projekt entwickelt ein Modell der Unterrichtsqualität mit fächerübergreifenden Basisdimensionen, das an verschiedene Fachbereiche angepasst werden kann. Es beschreibt spezifische Lehr- und Lernprozesse für einzelne Fächer und leitet daraus Voraussetzungen für qualitativ hochwertigen Fachunterricht ab.
Im Projekt «Partizipative Schulentwicklung» werden gemeinsam mit Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern von vier Sekundarschulen innovative Instrumente entwickelt, die den Lernenden mehr Mitsprache bei ihrem Lernprozess ermöglichen. Ziel ist es, die Partizipation zu fördern und die entwickelten Konzepte auch an anderen Schulen umzusetzen.
Auswahl
22. bis 23. August 2024
Die Tagung blickte auf zwanzig Jahre hochschulische Lehrpersonenbildung zurück und diskutierte die Zukunft der Pädagogischen Hochschulen.
Im Zentrum der Tagung stand das Lernen von 4 bis 9-Jährigen, ihre Lern- und Entdeckungsfreude, ihr Lernpotenzial sowie die Räume und Orte, die ihr Lernen anregen und unterstützen.
Mit der neu ins Leben gerufenen Reihe «Forschung im Dialog» macht die PH Zürich ihre Expertise zu aktuellen und relevanten Bildungsthemen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.
ComeThinkAgain
MOSAIK
The European Conference on Critical Edtech Studies (ECCES)