Im Forschungsbereich stärkte die PH Zürich zentrale Grundlagen für eine zukunftsfähige Lehrpersonenbildung. Ein Schwerpunkt lag auf der Weiterentwicklung der Doktoratsphase, um wissenschaftliche Qualifikationen mit starkem Berufsfeldbezug zu ermöglichen. Mit vier Doktoratsprogrammen schafft die PH Zürich einen Rahmen für Promotionen, die zentrale Themen der Lehrpersonenbildung bearbeiten. Um Forschung verantwortungsvoll und nachhaltig zu gestalten, richtete die PH Zürich zudem eine Ethikkommission ein. Sie begleitet Forscherinnen und Forscher bei ethischen Fragestellungen und erfüllt die steigenden Anforderungen wissenschaftlicher Verlage.

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Forschungspublikationen
Im Juni 2025 fand an der PH Zürich die erste European Conference on Critical Edtech Studies (ECCES) statt. Rund 200 Teilnehmende aus Forschung, Praxis und Edtech-Entwicklung diskutierten, wie sich das junge Feld der Critical Edtech Studies heute präsentiert – und welche Zukunftsperspektiven es eröffnet. Im Fokus standen kritische Analysen zu Chancen und Risiken digitaler Bildungstechnologien. Die Beiträge beleuchteten dabei pädagogische, soziale, technische und politische Dimensionen von Edtech ebenso wie Fragen der politischen Ökonomie, sozialer Gerechtigkeit und Diversität. Themen wie KI, Plattformen, Datenpraktiken, algorithmische Bewertung, Privatsphäre und Überwachung wurden aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven verhandelt. Zugleich bot die Konferenz eine Plattform für den Austausch über alternative Edtech-Zukünfte: Wie lassen sich technokratische Entscheidungslogiken hinterfragen? Welche nachhaltigen, inklusiven und partizipativen Gestaltungsansätze sind möglich? Mit Formaten für Nachwuchsforschende, offenen Diskussionsräumen und Beiträgen aus aller Welt setzte die ECCES ein deutliches Zeichen: Critical Edtech Studies brauchen einen gemeinsamen Ort für Vernetzung, Wissensaufbau und die Weiterentwicklung des Feldes.
Mit-Organisator: Mathias Decuypere

Wie können Jugendliche lernen, KI-generierte Inhalte zu erkennen und kritisch zu beurteilen? Dieser Frage widmete sich ein interdisziplinäres Team der PH Zürich, der Universität Zürich und der ZHAW im von der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen (DIZH) geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Im Zentrum stand die Entwicklung eines interaktiven Online-Tools, das Storytelling, Quellenkritik und Wissenschaftskommunikation verbindet. Auf Basis aktueller Forschung zu Deepfakes, KI-Kompetenzen und digitaler Quellenkritik entstand ein spezifisches Lerntool. Die Lernenden navigieren darin durch eine interaktive Rahmenhandlung, arbeiten kollaborativ und reflektieren ihre Erkenntnisse im Klassenverband. Das modular konzipierte Tool behandelt unter anderem Grundlagen zu KI, Deepfakes, Prompting, digitaler Quellenkritik, lateralem Lesen und kritischem Ignorieren sowie ethische Fragen beim Einsatz von Sprachmodellen. Zum Abschluss erstellen die Jugendlichen ein eigenes Produkt, etwa ein Video oder eine Präsentation, indem sie eine Position argumentativ vertreten. Das Angebot richtet sich an 12- bis 16-Jährige und kann flexibel in kurze Sequenzen oder längere Unterrichtsreihen integriert werden. Lehrpersonen erhalten Begleitmaterialien mit Lehrplanbezügen und differenzierten Hilfen. Eine begleitende Studie zeigt: Das Tool ermöglicht offene Lernprozesse, fördert kritische Reflexion und unterstützt Jugendliche darin, eine eigene Haltung zu KI zu entwickeln – ein wichtiger Beitrag zur digitalen Resilienz.
Projektleitung: Alexandra Krebs

Das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderte Projekt EMOKK untersucht, wie sich motorische Basiskompetenzen – etwa Werfen, Springen oder Laufen – bei Kindergarten- und Primarschulkindern in der Schweiz entwickeln. Erstmals werden individuelle, schulische und ausserschulische Einflussfaktoren gemeinsam analysiert. Zudem werden Unterschiede zwischen Sprachregionen sowie Zusammenhänge mit überfachlichen Kompetenzen wie Selbstkonzept oder Beziehungsfertigkeiten geprüft. Motorische Kompetenzen sind gemäss Lehrplan zentrale Voraussetzungen für Teilhabe an Bewegung, Spiel und Sport. Erste Auswertungen der Langzeitstudie mit rund 7000 Kindern zeigen: Die Mehrheit erreicht ein gutes Kompetenzniveau, gleichzeitig verfügen 15–20 Prozent über geringe motorische Basiskompetenzen. Besonders deutlich wirkt sich die Teilnahme am Vereinssport aus. Dennoch bleibt der schulische Sportunterricht unverzichtbar, weil er alle Kinder erreicht und gezielte Förderung ermöglicht. Die von der PH Zürich mitentwickelten Testinstrumente zur Erfassung motorischer Basiskompetenzen bei Kindern (MOBAK) schaffen dafür eine fundierte Diagnostik. Unterstützt wird dies durch die MOBAK-App, die Lehrpersonen passende Lernaufgaben zur individuellen Förderung bereitstellt. Die Forschung zeigt zudem: Motorisch kompetente Kinder sind sozial besser integriert und berichten über höheres Wohlbefinden. Mit dem Anschlussprojekt MOSAIK vertieft die PH Zürich diese Erkenntnisse und trägt zu einem ganzheitlichen Verständnis kindlicher Entwicklung bei.
Leitung: Christian Herrmann

Das neue kooperative Doktoratsprogramm der PH Zürich mit der PH Karlsruhe unterstützt Promotionsvorhaben mit starkem Praxisbezug. BiB bietet kollaborative Betreuung, Qualifizierungsangebote sowie ein wachsendes Netzwerk für Austausch und wissenschaftliche Entwicklung.
Leitung: Kenneth Horvath

Das Projekt «Embodied Conversational Agents für den Aufbau beruflicher Kommunikationskompetenzen» wurde am Wettbewerb AIREA 2025 in Hongkong mit dem Outstanding Innovation and Creativity Award ausgezeichnet.
Leitung: Martin Berger

Forschende in einer akademischen Qualifikationsphase spielen eine wichtige Rolle für die Weiterentwicklung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Deshalb unterstützt die PH Zürich Doktorierende bei ihren Promotionsvorhaben und engagiert sich in kooperativen Doktoratsprogrammen für Fachdidaktik, berufsfeldrelevante Bildungsforschung und Professionalisierung. Zudem hat die PH Zürich 2025 eine interne Ethikkommission eingerichtet. Die Kommission unterstützt die Forschenden in deren forschungsethischer Verantwortung. Die Notwendigkeit einer Ethikkommission zeigt sich nicht zuletzt darin, dass Wissenschaftsverlage zunehmend Nachweise über die ethische Unbedenklichkeit von Forschungsprojekten verlangen.
«Ob zum Lehrpersonenmangel oder zum Wandel der Berufskultur durch die Digitalisierung – unsere Studien sind am Puls vielfältiger Veränderungen im Lehrberuf und untersuchen sowohl geplante als auch unerwartete Entwicklungen.»
Auswahl

Die PH Zürich entwickelt gemeinsam mit der ZHdK eine Lern-App, mit der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I globale Biografien von Alltagsobjekten erforschen. Durch sogenanntes kuratorisches Lernen verbinden sie Museumsobjekte mit ihrer Lebenswelt und lernen, globale und (post-)koloniale Verflechtungen zu reflektieren.

Das Projekt untersucht, wie Kantone den Bildungszugang für Erwachsene in der beruflichen Grundbildung der Schweiz organisieren und wie Kompetenzen aus Beruf und Leben anerkannt werden. Anhand nationaler Registerdaten und kantonaler Fallstudien leistet die vergleichende Analyse einen Beitrag zur Berufsbildungs- und Arbeitsmarktpolitik.

Das Projekt FLAMES entwickelt und erprobt KI-gestützte Szenarien für den Fremdsprachenunterricht. Lehrpersonen testen KI-Tools, reflektieren Nutzen und Grenzen und erhalten praxisnahe Materialien. Ziel ist ein reflektierter KI-Einsatz, der Unterrichtsqualität und Sprachlernen gezielt unterstützt.
Auswahl

Die Veranstaltung zeigte, wie Forschung und Praxis gemeinsam Lösungen für auffälliges Verhalten entwickeln. Forschende gaben Einblicke in das Vorgehen, danach diskutierten Gäste praxistaugliche Ansätze zur Entlastung von Schulen.
Der Kongress rückte die ganzheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in den Fokus. Fachpersonen diskutierten, wie motorische, sozial-emotionale und kognitive Kompetenzen zusammenwirken – und wie Bewegung und Sport die Gesundheit fördert.
Die Konferenz fand als Co-Organisation von ETH Zürich und PH Zürich statt. Unter dem Thema «Building communities, bridging ideas» wurde aufgezeigt, wie spezifische Ansätze für den Informatikunterricht und in interdisziplinären Kontexten wirkungsvoll weitergedacht werden können.
EnablEd
Trajektorien im Lehrberuf (TriLSA)
Equipping Swiss EdTech with Pedagogical Terms and Conditions