Vorwort
Fachhochschulrat

Lucien Criblez / Katrin Kraus:
Dialog und Dialog­fähigkeit

Eine neu zusammen­gesetzte Hoch­schul­leitung, eine veränderte Standort­situation und eine ange­spannte Finanz­lage, nach wie vor Mangel an Lehr­personen – wenn auch nach­lassend – und die sich ankündigende Zusammen­führung der Hoch­schule für Heil­pädagogik mit der PH Zürich als Heraus­forderungen, anhaltende bildungs- und gesell­schafts­politische Debatten um Inklusion und den sinnvollen Umgang mit Digitalisierung in der Bildung … Der Umgang mit diesen und anderen Heraus­forderungen erfordert immer wieder Dialog­bereit­schaft und setzt Dialog­fähigkeit voraus. Dialog ist ein Weg der Bildung und Dialog­fähigkeit ein wichtiges Bildungsziel, sowohl für die Studien­gänge der PH Zürich als auch mit Blick auf ihren gesell­schaftlichen Auftrag und die Entwicklung der Hoch­schule selbst.

Der Dialog als Austausch zwischen Personen «durch die Rede» ist für die Hoch­schul­lehre zentral. Dabei geht es um die Vermittlung und Aneignung von Inhalten – aber auch um mehr. Im Dialog ist es möglich, unter­schiedliche Perspektiven kennen­zu­lernen, eigene Perspektiven einzu­bringen und gemeinsam an relevanten Fragen zu arbeiten. Viele Methoden in der Hoch­schul­lehre betonen daher den Wert dialogischer Elemente, vom «Gruppen­puzzle» über die «Murmel­runde» bis zum «Flipped Classroom». Die Lehrenden an der PH Zürich nutzen solche dialogischen Formen in den Studien­gängen, der Weiter­bildung und ihren Dienst­leistungs­angeboten für Schulen und tragen damit zu einer hohen Bildungs­qualität bei.

Es scheint ein breiter gesell­schaftlicher Konsens darüber zu bestehen, dass Dialog wichtig (und möglich) ist.

Dialog ist aber nicht nur ein Weg, sondern auch ein Ziel von Bildung. Gerade für die Volks­schule ist Dialog­fähigkeit eine wichtige Ziel­vorgabe, so etwa die im Lehrplan 21 als über­fachliche Kompetenz beschriebene «Dialog- und Kooperations­fähigkeit». Aber auch auf der Sekundar­stufe II fehlen dialog­bezogene Ziel­vor­gaben nicht. So finden sich im neuen Rahmen­lehrplan für Gymnasien etwa die «Allgemeinen Sprach­kompetenzen» und die «Dialog­fähigkeit» sowie in den Rahmen­lehr­plänen für Berufsfach- und -maturitäts­schulen die «Informations- und Kommunikations­strategien», die «Kommunikations­fähigkeit» oder die «Konflikt­fähigkeit».

Fähigkeiten, die ein dialogisches Miteinander im privaten Umfeld, in Politik und Gesell­schaft sowie in der Arbeits­welt ermöglichen, ziehen sich wie ein roter Faden durch das Schweizer Bildungs­system. Es scheint ein breiter gesell­schaftlicher Konsens darüber zu bestehen, dass Dialog wichtig (und möglich) ist und dass es zum Wohle der Gesell­schaft und der/des Einzelnen eine Aufgabe öffentlicher Bildung ist, dazu zu befähigen.

Die erwähnten Heraus­forderungen verweisen auf die Bedeutung des Dialogs und darauf, wie wichtig es ist, im Gespräch zu bleiben, auch über die Entwicklung der eigenen Hoch­schule. Unter­schiedliche Beteiligte vertreten dabei durchaus unter­schiedliche Positionen. Umso wichtiger ist der Dialog innerhalb der Hoch­schule sowie mit den Partnerinnen und Partnern in Praxis­feldern, Politik und Gesell­schaft. Hier ist die PH Zürich unter der Leitung von Prof. Dr. Andrea Schweizer mit zahlreichen Diskussions- und Informations­anlässen und reger Beteiligung auf einem guten Weg!

Im Namen des Fach­hoch­schul­rates danken wir allen Mitarbeitenden, die auch im vergangenen Jahr ihre Dialog­fähigkeit unter Beweis gestellt haben und mit ihrer Dialog­bereitschaft zur positiven Entwicklung der Päda­gogischen Hoch­schule Zürich beigetragen haben!

Prof. em. Dr. Lucien Criblez
Fachhochschulrat

Prof. Dr. Katrin Kraus
Fachhochschulrätin